für meine Kinder   
 
     
   
 
 
 
 
 
         
   




Cornelia Rombach * Diplompsychologin * Weinstr. 33 * D-79336 Herbolzheim

Tel. 07643-6604
Fax 07643-8515



Nachtrag zum Gutachten vom 16.02.2001





Herbolzheim, den 15.05.2001

Nachtrag zum Psychologischen Befund im Gutachten in der Familiensache Alteck (Theoretischer Bezugsrahmen)

 

Die bisherige Entwicklung der familiären Beziehungen wurde unter dem Aspekt der Bindungen und Neigungen von Anna, Maria und Yvonne dargestellt und beurteilt. Dabei wird unter Bindung in Anlehnung an Bowiby (1982) eine gefühlsbestimmte Beziehung zwischen einem Kind und einer oder mehreren Bezugspersonen verstanden. Die Art der Bindung zu einer Bezugsperson zeigt sich in der Interaktion des Kindes mit dieser und im Verhalten und Erleben des Kindes. Die Bindungstheorie beschäftigt sich mit den Auswirkungen elterlichen Verhaltens gegenüber Kindern insbesondere in Situationen der Trennung von den Bezugspersonen. Dabei widmet sie sich einerseits den gefühlsmäßigen Beziehungen zwischen Eltern und Kind und deren Entwicklung unter Berücksichtigung der Reifung und der wachsenden intellektuellen und sozialen Kompetenz eines Kindes. Andererseits versucht sie Aussagen darüber zu machen, welche Bereiche des täglichen Lebens eines Kindes von seinen Bindungsbeziehungen zu seinen Eltern beeinflußt wird. Ergebnisse der Bindungsforschung belegen, dass die Bindungserfahrungen eines Kindes seine weitere Entwicklung im Hinblick auf Selbstvertrauen, psychische Gesundheit und Lebenstüchtigkeit beeinflussen (Grossmann, K. E., 1993). Die Fähigkeit zu Liebe, das Selbstwertgefühl und die Art der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit werden von den kindlichen Erfahrungen emotionaler Sicherheit in Belastungssituationen und des entspannten Umgangs zwischen Kind und Bezugspersonen beeinflußt. Die Angst eines Kindes besteht in der Regel aus der Unsicherheit, ob die Bezugspersonen auch wirklich verfügbar sind und es lieben und umsorgen. Die Untersuchung der Qualität dieser Beziehungen bei den Kindern sowie die Erhebung der Repräsentationsmodelle von Bindung bei den Bezugspersonen geben Aufschluß darüber, welche Entwicklungsmöglichkeiten unter den verschiedenen personalen Umgebungsbedingungen zu erwarten sind.

Eine Voraussetzung zur Entwicklung von Bindungen und zum Erhalt von Bindungen besteht in einer gewissen Kontinuität der Betreuung bzw. der Pflege der bestehenden Bindungen. Dies ist um so wichtiger, je jünger ein Kind ist. Erst mit zunehmendem Alter ist aufgrund einer internen Repräsentation der Bindungspersonen beim Kind die Fähigkeit zur Bewältigung von Trennungserfahrungen ohne Verunsicherung möglich, vorausgesetzt eine sichere Bindung konnte entstehen. Kommt es nach dem Aufbau einer Bindung zu einer längeren Trennung von der Bindungsfigur, so reagieren kleine Kinder zunächst mit Protest, nach einiger Zeit mit Trauer und schließlich mit Ablösung von der Bindungsfigur. Begegnet das Kind nach längerer Zeit während der Ablösephase dem verloren geglaubten Elternteil, dann reagiert es häufig mit Vermeidungsverhalten.

Beziehungsabbrüche können zum Verlust von Bindungsfiguren führen (Schwabe-Höllein & Frenzel, 1997).

Die Art der Beziehungen eines Kindes zu den Bezugspersonen zeigt sich auch in der Äußerung seiner Bevorzugungen und Ablehnungen, im "Willen des Kindes".

Die Förderung des Kindes durch seine Eltern bzw. seine Bezugspersonen zeigt sich in ihrer Fähigkeit und in ihrer Bereitschaft, die körperlichen und psychischen (emotionalen und sozialen) Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen und angemessen darauf zu reagieren. Die Art der Beziehung der Eltern zum Kind kommt auch darin zum Ausdruck, wie die Eltern die bestehenden Beziehungen des Kindes zu anderen Bezugspersonen unterstützt und erhalten haben. Die Kooperation zwischen den Eltern trägt dazu bei, auch in Zukunft das psychische Wohlbefinden des Kindes zu gewährleisten und eine positive Entwicklung zu ermöglichen. Neuere Untersuchungen der Scheidungsforschung kommen zu dem Ergebnis, dass Kinder die Trennung der Eltern besser bewältigen, wenn ihnen das Beziehungsnetz, das vor der Trennung bestand, weitgehend erhalten bleibt.

Unter diesen Aspekten des "Kindeswohls" wurden die bisherige Entwicklung der familiären Beziehungen von Anna, Maria und Yvonne zusammenhängend dargestellt.



Cornelia Rombach
Diplompsychologin




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